Plankton

Plankton

Reto Karli Gesang, Gitarre
Dominik Deuber Schlagzeug
Philipp Kräutli Gitarre
Vincent Hofmann Bass
Stefan Bosshart Keys

Plankton lassen sich nicht von irgendwelchen Strömungen treiben. Sie gehen ihren Weg unbeirrt in die eigene Richtung. Die fünf Jungs denken bei „Mundartrock“ nicht an bekannte Grössen und Bluesrock mit Südstaatensehnsucht. Nein: Plankton orientieren sich an niemandem. Reto Karli (voc, git), Dominik Deuber (dr), Philipp Kräutli (git), Vincent Hofmann (bass) und Stefan Bosshart (keys) kreieren einen ganz eigenen Sound.

Wenn die fünf Freunde, die irgendwann im letzten Jahrtausend mit dem gemeinsamen Musizieren angefangen haben und jetzt nicht mehr damit aufhören können, zusammen auf der Bühne stehen, wird’s entsprechend stimmig: Die Band sitzt live wie 'ne Eins! Grosse Chöre, blindes Verständnis, exzessiver Rock'n'Roll und gut gehüteter Sex-Appeal machen Plankton zu einer atemberaubenden Tanzkapelle. Plankton garantieren Unterhaltung, ohne Gefahr zu laufen, ins Triviale oder gar Oberflächliche abzudriften. Die fünf Winterthurer haben Strassen in Deutschland und der Schweiz ebenso unsicher gemacht, wie renommierte Klubs vom Schlag einer Schüür oder eines Abart.

Die Zuschauer werden bei den Konzerten des charismatischen Quintetts Teil der Show; einer Show, die typisch Plankton ist: Tiefgang ist garantiert, egal ob mit oder gegen die Strömung. Oder wie Wikipedia schreibt: „Plankton (altgr. ‚das Umherirrende‘ veraltet Auftrieb) ist die Bezeichnung für Organismen, die im Wasser leben und deren Hauptmerkmal es ist, dass ihre Schwimmrichtung von den Wasserströmungen vorgegeben wird.“ Sprich: Plankton muss sich nicht zwingend so bewegen, wie die Strömung es tut. Viel eher halten die fünf dagegen.

Auf ihrem aktuellen Album „Rätselkönig“, dem dritten in der Bandgeschichte, geben sich die Winterthurer entsprechend vielseitig: Songs wie „Tête-à-Tête“ - die Nummer rollt unaufhaltsam vorwärts - kommen very britisch; ebenso der Opener „Alli warted“ oder „Taxi“. „Muure“ hingegen wird zum stillen Kleinod, und der Closer „Alti Rocker vertriibe“ dümpelt im Walzer-Schritt dem unausweichlichen Ende entgegen. Vielleicht ist es Selbstironie, vielleicht ist der der Hang zum Skurrilen, vielleicht ist es eine Prise Wahnsinn, die Plankton vorantreibt. Wer sonst wagt sich im grünen 21. Jahrhundert, ungehemmt über die „Scheissnatur, du alti kapitalistischi Schlampe“ zu motzen und festzustellen: „Mir sind für die Schwache. Bi dir günned immer nur die Schtarche.“

Planktons Prunkstück ist zweifellos „Madame Giraff“: Das Lied ist eine Ode an die Liebe, vorgetragen mit viel Bläser-Support, angerichtet mit einem Hang zur Opulenz, ohne dieser aber zu verfallen. Genau so, wie Liebe sein muss! „Angefangen als akustische Troubadour-Nummer übernimmt im zweiten Teil eine Bigband das Zepter und versetzt mich flugs ins Italien der Nachkriegszeit“, sinnierte ein Journalist über den Song. Zeitreisen mit Plankton? Durchaus denkbar. Wer in der Hoch-Zeit der Konsumgesellschaft ein Requiem auf „de letscht Verchäufer“ schreiben kann, kann bestimmt auch zeitreisen...

Geschichte und Diskographie